Das Ende der politischen Kultur

Heute morgen wurde über den Verlust politischer Kompromiss-Kultur diskutiert (Dradio). Die kompromisslose Haltung der CSU in der Asylpolitik scheint die Unionsfraktion zu spalten, vermutlich Wahlkampfgepolter und um wieder einmal von der eigentlichen Aufgabe der Politik, die Gesellschaft in eine positive Zukunft zu führen, abzulenken.

Als Gestalter schätze ich den Kompromiss nicht besonders. Konzeptuelle und strategische Entscheidungen werden durch Kompromisse verwässert und ad absurdum geführt, das Ergebnis sind austauschbare Allgemeinplätze, mittelmäßig und langweilig.

Designkonzepte, die getroffenen Entscheidungen konsequent folgen, enthalten häufig Ungewohntes oder vermeintliche Fehler — „das sieht aber komisch aus.“ Dies rührt oft daher, dass nicht alle Fragestellungen vorhersehbar waren oder sich diese während des Arbeitsprozesses geändert haben, die Gestaltung weiterhin dem Konzept folgt und im neuen Kontext ungewohnt erscheint. Gleichzeitig ist es meistens der vermeintliche Fehler (s.U.), der das Erdachte, die Entscheidung sichtbar macht. So behaupte ich, die Kompromisslosigkeit ist eine Form der Transparenz und Ehrlichkeit.

Zurück zur Politik. Seit Gründung der Bundesrepublik bestimmen Kompromisse politische Entscheidungen und sorgen selten für eine nachhaltige und immer weniger für sozial gerechte Lösungen. Die präsentierten „Lösungen“ zu gesellschaftlichen Problemen folgen keiner konsequenten, rationalen Fortsetzung unserer Verfassung, sondern enden meist in einem vermeintlich nötigen und eigentlich immer zweifelhaften Kompromiss.

Der Kompromiss ist intransparent, weil er die Intention ändert und der Prozess der Konsensfindung undurchsichtig ist, da die Profiteure des beeinflussten Entschlusses möglichst unsichtbar bleiben.

Wenn nun Kreuze aufgehängt werden oder wegen drei ungeklärter Asylverfahren eine Koalitionsvereinbarung in Frage gestellt wird, wird so getan, als wäre man kompromisslos und folge Wertevorstellungen oder Ähnlichem. Betrachtet man aber solches Gebaren aufmerksam, stellt sich heraus, dass es sich um Wahlkampfgetöse und Ablenkung handelt. Es wird von den eigentlichen und dringend zu lösenden Fragen abgelenkt. Dieser Unart in der Politik sollte man Aufmerksamkeit schenken und nicht auf die Frage hereinfallen, ob nun die politische Kultur ins Wanken gerät.

Der Kompromiss in der Sozialen Marktwirtschaft bedeutet, von ihr abzuweichen und das heisst, sie zu zerstören.

Ich würde mir wünschen, die Presse würde die richtigen Fragen stellen und sich nicht auf personelles Geplänkel und Kulturgeschwafel stürzen. Ernsthaft Probleme zu diskutieren und zu lösen ist sicher nicht besonders unterhaltsam, aber ist das nicht genau die Aufgabe der von der Reichsrundfunksteuer finanzierten Medien?

Anscheinend ist Comedy der bessere Journalismus — immerhin öffentlich, ab Minute 12 gehts ans Eingemachte und bei 22:40 kommts richtig dicke. Kein Spaß. Die Mont Pèlerin Gesellschaft.

Über die Schöpferische Kraft des Fehlers, des Störers oder des Schmutzes: Das Quantenvakuum.

Und weils so gar nicht lustig ist: Tränenkuchen.

link: die Neue Debatte

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2 Gedanken zu “Das Ende der politischen Kultur

    1. du bist zu schnell! ich war noch am korrigieren. weils so ist, ists ja nicht gut und die medien sollten nicht die sportkommentatoren zur politik geben, sondern die anstrengenden spielverderber geben, das das kasperletheater im theater bleibt.

      Gefällt 1 Person

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