Viele, viele bunte Buchstaben – Neue Reklame

Zur Zeit schwurbeln mir viele Wörter im Kopf herum. Und niemand sagt mir mit welchem der Buchstaben ich beginnen soll. Die Zeiten, als mich die eingehenden Mails zu Arbeit aufforderten und forderten, scheinen diesen Januar und vermutlich für das ganze Jahr vorbei zu sein. Da macht sich das Discounterdenken beim Kreativdienstleister bemerkbar.

Jüngst hörte ich im Deutschlandradio, meinem bevorzugten Klangversorger, über die unterschiedlichsten europäischen Gepflogeheiten nach Neujahr. In der Listung des meist Gleichen taten sich die Belgier erfreulich hervor. Die Belgier nämlich verzichten nicht auf Alkohol, wie die meisten, eigentlich alle, sondern aufs Meckern, Jammern und Lamentiern! Dafür trinken sie einfach weiter und pfeifen auf die Leberwerte. Sowas fällt mir ein, wenn ich über minderbezahlte und fehlende Arbeit jammere.

Dabei gehts mir relativ gut. Mein Atelier ist günstig gelegen. Mein Zuhause ist gerade mal 2 Gehminuten entfernt, ein Tabakzeitschriftenhändler mit Einbaupost ebenso. Bank, Ärzte, Supermärkte, Bäcker sind bequem zu Fuß zu erreichen und wenn ich mal richtig faul bin, nehme ich das Fahrrad – zweimal Treten und hurra bin schon da. Heute musste ich zur Einbaupost. Mein langjähriger Freund Boris hatte sich endlich meinen Blog angesehen, als der Beitrag Alleinunderhalter frisch war und meldete sich per SMS: „Weisst du was? Da will ich eins haben!“. Gemeint war das abgebildete Poster. Also eine ordentliche Verpackung bestellt, Poster reingerollt und zur Post gebracht.

Einmal draußen aus dem warmen Atelier, setzte ich meinen Weg zum nächsten Bäcker fort, um ein paar Laugenbrezen mit Salz zu erwerben. Nachdem ich mich fast eine Woche von warmen Käsesandwich ernährte, war mir nach ein wenig Abwechslung. Zum Beispiel eine Breze mit Frischkäse. Die lange Schlange bei der zuerst angelaufenen Backwarenverkaufsstelle ließe mich die Straßenseite zur Supermarkteinbaubackwarenverkaufsstelle wechseln. Dort aber sahen die gesalzenen Brezen unwesentlich besser aus als die minderbezahlte Verkaufsassistentin. Die Dame als spröde Rubensschönheit zu bezeichnet wäre ein unverschämter Euphemismus. Die schroffe Begrüßung: „Hallo!“, naja, den Rest könnte man sich denken. Doch keine Breze. Ich verlangte sehr höflich nach drei Salzstangen und entschuldigte mich beim Bezahlen dafür, daß ich nur einen Zehneuroschein hatte. Zu meinem Erstaunen wurden ihre Gesichtszüge weich und freundlich und mein Wechselgeld erhielt ich mit dem Wunsch für einen schönen Tag. Ich wünschte einen ebensolchen und verließ den Supermarkt mit einem Ade.

Das leider ungehört verklang. Beim Verlassen eines richtigen Geschäfts hingegen ruft einem ein Chor von Angestellten und Inhabern ein mehrstimmiges Ade hinterher. Alleine das wäre ein Argument für eine längere Wartezeit gewesen. Zudem gibt ein  Ade auch noch Aufschluss darüber wo man sich im Kundenränking befindet. Je nach Betonung, Länge und Melodie des Ade, kann man erahnen, ob ein weiteres Aufsuchen des Einzelhandelgeschäfts auf Dauer sinnvoll erscheint oder wie lange das Verkaufspersonal noch in Lohn und Brot bleiben wird.

Mein Weg zurück ins Atelier führte mich an einer winzigen Normafiliale vorbei, die ich regelmäßig aufsuche. Ein rechter Verhau und gerade deswegen interessant. Auch wegen der geschäftigen sächsischen Filialleiterin, die sich immer entspannt wenn ich mich an der Kasse anstelle. Ich bin wahnsinnig langsam und zahle bevorzugt passend. Auch hier wird mein Ade stets erwidert.

Wie das so ist beim Laufen, es fällt einem was ein. Mir fiel ein, daß ich ja unbedingt über Jules van der Leys Bücher schreiben muss, daß ich eigentlich eine Polemik zum verachtenswerten Strebertum verfassen wollte, daß ich ja jetzt auch eine Einkaufsgeschichte schreiben kann und das Einkaufsgeschichten irgendwie häufiger geschrieben werden als gedacht! Ich kenne Einkaufsgeschichten aus Jules van der Leys Blog bzw. aus der Publikation Die schönsten Augen nördlich der Alpen, aus dem Büchlein Blumen und Wurst von Philipp Moll und aus einem ebensolchen Büchleins Rotkehlchen umschwirren mich von Matthias Egersdörfer

Also wiedermal eine ernsthafte Aufforderung zum nachhaltigen Konsum. Kauft Bücher! Und zwar diese, in genau dieser Reihenfolge (Buchsalafismus?):

Jules van der Ley, Die schönsten Augen nördlich der Alpen, Edition Teestübchen Trithemius, 46 schräge Geschichten auf 156 Seiten. Eins a Lesestoff, jeder Buchstabe händisch eingegeben und geputzt. Jedes Buch extra für jeden Käufer einzeln, individuell gefertigt für läppische: 14,99€ bei epubli oder amazon.

Matthias Egersdörfer, Rotkehlchen umschwirren mich, Bartlmüllner Verlag, 108 Seiten prall gefüllt mit astreinen Buchstaben und besonderen Illustrationen von David Shrigley. Dank Massenfertigung und wohnraumsparender Größe für nur 9,80€. Beim Verlag, amazon oder dem versierten Buchfachhandel mit der ISBN 978-3-942953-10-8 bestellbar.

Philipp Moll, Blumen und Wurst, auch der Bartlmüllner Verlag, allerdings mit spitzer Nadel gestochenen Illustrationen von Daniel Bischoff. Die komfortable Leichtbauweise der 104 Seiten ermöglicht den sehr preiswerten Verkaufspreis von 100€ (die Vorzugsausgabe mit Originalgraphik! Wenden Sie sich vertrauensvoll an den Verlag) oder eben für 9,80€ im freundlichen Bucheinzelhandel. ISBN 978-3-942953-15-3

Und ein Buch weswegen ich überhaupt dazu komme Buchkäufe zu befehlen:

Buchkultur im Abendrot, Jules van der Ley. Als Buchgestalter natürlich interessierte mich dieses Buch und ich erwarb es käuflich. Warum ich es so schätze ist, dass es die tradierten Auffassungen und Lehrmeinungen zu Buch und Typografie kritisch hinterfragt und andere Perspektiven bietet als die gängigen, typischen Typografie-/Grafikerschriften. Das weckte meine Neugier den Autor betreffend und wie man in den schönsten Augen nördlich der Alpen lesen kann geht das gut zusammen.
244 Seiten voll mit Typographie und Wissen. Einzeln von Hand mit dem Matrizendrucker gedruckt und liebevoll zusammengeklebt bei eublip zum Unkostenbeitrag von 14,99€ erhältlich. Terrashop prahlt mit der Verfügbarkait innerhalb von 24 Stunden und amazon liefert das Druckwerk sicher auch ganz schnell!

Genug geschwurbelt.

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4 Gedanken zu “Viele, viele bunte Buchstaben – Neue Reklame

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